Traumfetzen

Es ist dunkel in mir. Traumfetzen hängen noch in der Luft, sie ängstigen mich. Was für kranke Dinge in meinem Kopf passieren, wenn ich schlafe und keine Kontrolle darüber habe!
Es ist dunkel und es wird mit jedem Moment dunkler. Ich fürchte mich vor irgendetwas, ich weiss nicht vor was. Ständig versuche ich, Fäden in die Realität aufzunehmen. Musik läuft und bildet einen, sie ist traurig, sie drückt aus, was ich empfinde, vielleicht schafft sie es, Tränen aus mir herauszukitzeln. Ich schreibe, ein weiterer Faden, ich versuche, dieses Gefühl aus mir heraus auf den Bildschirm fliessen zu lassen, nur bitte aus mir heraus, einfach nur weg. Ich habe einen Tee vor mir, er soll den widerlichen Geschmack aus meinem Mund entfernen, der hängengeblieben ist. Der Geschmack stammt noch aus dem Traum und lässt mich würgen, der Tee kann ihn nicht wegmachen. Und da ist ständig der Wunsch, so einen starken Faden in die Realität aufzunehmen, dass ich den Traum vergessen würde. Ein bisschen Schmerz und ich wäre wach. Aber ich darf nicht, nicht deswegen, ich muss nachher arbeiten, nicht deswegen, ich muss funktionieren...
Ich möchte schreien, schreien bei dem Gedanken daran, dass ich keine Zeit haben werde, um mich zu fangen, schreien bei dem Gedanken daran, dass mich das den ganzen Tag verfolgen wird, schreien, weil das Horror ist, aber meine Stimme bleibt stumm, sie muss stumm bleiben, was würden die Nachbarn denken!
Aus dem Dunkel wird allmählich Finster, es schluckt jedes Licht, selbst die Sonne, die heute scheint, kann es nicht durchdringen. Es nagt und frisst an mir, ich will nicht mehr -
Dieser verdammte Traum, was wollte er mir sagen, wollte er überhaupt etwas sagen oder war er nur eine Ausgeburt eines kranken Gehirns? Dieser verdammte Traum! Wieso musste er dasein, wieso musste er so lebendig sein, wieso musste er diesen ekligen, widerlichen Geschmack auf meiner Zunge hinterlassen, wieso kann ich den Dreck, den er mitgebracht hat, nicht abwaschen?
Realität... ich darf die Fäden nicht loslassen, bleib bei der Realität... auch wenn ich sie sonst hasse, ist sie heute meine einzige Chance, denn die Innenwelt, in die ich mich sonst zurückziehe, wurde beschmutzt...