Was tun mit den Narben?
Vor diesem Problem sieht sich früher oder später jeder, der sich äusserlich sichtbar verletzt. Wichtig ist zunächst eine gute Wundpflege. Kleinere Schnittwunden können ohne weiteres "offen" gelassen werden, aber ab einer gewissen Tiefe lohnt sich ein Pflaster oder ein Verband: Um die Wundränder zusammenzudrücken (verkleinert die später sichtbare Narbe) und damit zu verhindern, dass die Wunde während des Heilungsprozesses immer wieder aufreisst, aber auch um zu verhindern, dass die Wunde zusätzlich von aussen verunreinigt wird. Brandwunden sind schon etwas schwieriger zu pflegen, insbesondere wenn sie grössere Flächen einnehmen.
Im Zweifel gilt, lieber einmal mehr zum Arzt als einmal zuwenig. Natürlich wird der Arzt fragen, wie die Wunden entstanden sind. Natürlich kann man ihn in vielen Fällen nicht einfach anlügen. Aber Ärzte unterstehen von Gesetzes wegen der Schweigepflicht.
Sollte ein Arzt euch jemals schlecht behandeln, weil ihr mit selbst zugefügten Wunden zu ihm geht - geht nächstes Mal bitte zu einem anderen. Für den Arzt muss die nötige Hilfe im Zentrum stehen und nicht, über euch zu richten. Sollte derartiges in der Notaufnahme eines Spitals geschehen, scheut euch bitte auch nicht, bei der Spitalleitung zu reklamieren. Nur weil die Wunden selbst zugefügt sind, kann man euch nicht eine anständige medizinische Versorgung und den normalen Respekt verweigern.
Wenn die Wunden soweit verheilt sind, dass sich eine neue Haut gebildet hat, kann man anfangen, die Narben etwas zu pflegen. Dies mag für viele der erste Schritt sein, sich wieder etwas Selbstfürsorge entgegenzubringen, aber die äusseren Faktoren sind Grund genug, sich damit etwas Mühe zu geben.
Narben können auf zwei Arten heilen: Entweder sie bleiben als "Delle" im Gewebe zurück (vermindertes Gewebewachstum, hypothrophe Narbe) oder aber als "Hügelchen" (verstärktes Gewebewachstum, hypertrophe Narbe). Die Haut wird an dieser Stelle nie mehr dieselbe sein: Sie trägt z.B. keine Haare mehr, wird nicht gleich braun (meistens bleibt sie heller; in seltenen Fällen wird sie dunkler) und bildet auch keine Schweissporen mehr aus. Ausserdem ist die Konsistenz des Gewebes verändert; härter oder aber weicher als das übrige Gewebe rundherum. Das kommt daher, dass das ursprüngliche Gewebe nicht mehr aufgebaut, sondern Bindegewebe eingefügt wird (Defektheilung), um die Lücke zu füllen. Das heisst: Narben werden immer bleiben - es sei denn, die Verletzung bleibt auf die oberen Hautschichten begrenzt. Solche oberflächlichen Verletzungen verheilen vollständig.
Direkt nachdem sich der Schorf gelöst hat, ist die Narbe erstmal rot. Sie wird je nach Tiefe der Verletzung Wochen bis Jahre brauchen, um zu verblassen. Der Körper hat sehr schnell ein provisorisches Füllgewebe aufgebaut, das die Lücke erstmal schliessen soll und verbessert seine Arbeit mit der Zeit, indem provisorische, unelastische Materialien nach und nach durch elastischere ersetzt, Blutgefässe besser angelegt und Zellen erneuert werden. Diesen Prozess kann man massgeblich beschleunigen.
Entscheidend für die Heilung jeder Wunde ist die Durchblutung. Sanftes Massieren der Narben - darüberreiben oder sie zwischen zwei Finger nehmen und leicht kneten - unterstützt und fördert die Durchblutung und beschleunigt den oben beschriebenen Umbauprozess.
Vielfach wird während des Heilungsprozesses ein Juckreiz beschrieben, der Betroffene oft abermals dazu bringt, sich zu verletzen. Dieser Juckreiz muss nichts mit dem SVV selbst zu tun haben; meistens handelt es sich um Zeichen der Heilungsprozesse in den Wunden und Narben. Dass das Schneiden dagegen hilft, hat vor allem damit zu tun, dass frische Wunden vom Körper sehr stark durchblutet werden, um die nötigste Reparatur schnell vollbringen zu können und gegebenenfalls auch eindringende Erreger sofort zu bekämpfen. Das Massieren - notfalls auch etwas kräftiger, aber bitte immer nur mit den Fingerbeeren - hilft gegen den Juckreiz.
Weitere sehr gute Mittel liefert die Pflanzenwelt. Ein Mittel für Operationsnarben, Contractubex, wird immer wieder erwähnt; ich möchte hier zwei Alternativen vorstellen.
Johanniskrautöl kann man bereits während der eigentlichen Wundheilung auftragen. Sobald sich ein einigermassen fester Schorf über der Wunde gebildet hat - also bereits nach wenigen Stunden - kann man täglich 1-2x die Wunden und später auch die Narben (vor allem tiefere) mit dem Öl bestreichen. So werden sie von Anfang an weicher und heilen sauberer. Johanniskrautöl bekommt man in vielen Apotheken, aber im Web finden sich auch zahlreiche Anleitungen, um es selbst herzustellen.
Die Firma Weleda (aus der Schweiz) hat eine Ringelblumen-Schüttelmixtur herausgebracht, die ursprünglich dafür gedacht war, Aknenarben zu reduzieren. Sie zeigt auf diesem Gebiet auch gute Erfolge - aber auch bei anderen Narben. Ich habe diese Schüttelmixtur oft verwendet und festgestellt, dass der Heilungsprozess der Narbe, also vom roten Provisorium zur weissen, definitiven Narbe, um mehrere Monate beschleunigt wurde (bei manchen habe ich vergessen, das Zeug aufzutragen - das war mein "Vergleichsmaterial"). Ausserdem hat diese Mixtur einen netten Nebeneffekt - sie ist weiss und wenn man sie geschickt aufträgt, lassen sich frischere Narben sozusagen überschminken.
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